Musikunterricht – aus meiner Sicht als Elternteil

Als Musikerin mit Kind, die den Wunsch hat, ihm ein gerüttelt Maß an musikalischen Grundkenntnissen zu vermitteln, auch durch Hinzuziehung der üblichen Institutionen, musste ich sehr schnell feststellen, dass dies nicht einfach zu haben ist. Da ist einiges an Erfahrungen zusammen gekommen, welche ich im Folgenden beschreiben möchte.

Mein Sohn nahm/nimmt teil an:

  • 3 Kursen „Musikalische Früherziehung“ in Kindergarten und Musikschule
  • Instrumental-AG, Chor-AG, Streicher-AG und Musical an der Grundschule
  • normaler Musikunterricht an der Schule
  • Klavierunterricht an der Musikschule
  • Geigenunterricht mit Privatlehrer und
  • Bläserklasse in Stufe 5 und 6

Zusammengefasst geht es um folgende Punkte:

  1. Das Repertoire
  2. Der Umgang mit der Stimme
  3. Der überproportionale Fokus auf Reproduktion
  4. Das Zurückstellen von Fachsprache
  5. Das zu frühe Einführen von Notenlesen (…Artikel dazu in Arbeit)

(dazu die folgende Beiträge:)

Musikunterricht für Kinder muss besser werden: Das Repertoire

Natürlich lässt sich über Geschmack streiten. Trotzdem meine ich, dass bedauerlicherweise der Sound abgedroschener Schlagermusik und billigem Discopop die Kinderzimmer viel zu sehr beherscht. Warum kaufen nur so viele Eltern  Kindermusik-CDs von Zuckowski, Rosin, Jöcker und Co.? Wo doch allenthalben dieselben Eltern beklagen, dass sie nun den ganzen Tag “ In der Weihnachtsbäckerei“ hören müssen?

Aber nicht nur die Kinderzimmer sind betroffen, nein, auch Kindergärten beschallen ihre Räume damit, und selbst Grundschullehrer greifen zu den Produkten. Um eins klarzustellen: Auch die Weihnachtsbäckerei hat ihre Daseinsberechtigung, aber das Übergewicht von Musik dieser Machart halte ich für alarmierend. Schließlich erhält hier das Publikum von morgen eine erste Prägung. Hoffentlich keine endgültige! Weiterlesen

Musikunterricht muss besser werden: Vom Umgang mit der Stimme

Fast immer zu tief bei den Kindergartenerzieherinnen, fast immer zu hoch bei den ausgebildeten Früherziehungslehrerinnen: die Tonlage, wenn ein Lied gesungen wird.

Es ist nachvollziehbar, dass Erzieherinnen, oft selbst bekennende Nicht-Sängerinnen, in  ihrer bequemsten (tiefen) Lage singen. Es ist schon viel, sich zu überwinden, überhaupt zu singen und dann sich zu bemühen, die Töne zu treffen. Da mag es nach Überforderung klingen, wenn jetzt noch der Wunsch dazu kommt, sie mögen aus Rücksicht auf den physiologische Unterschied zwischen Kinder- und Erwachsenenstimme höher singen. (Hier taucht die Frage auf: wie hoch denn genau? Dazu gleich mehr.) Weiterlesen

Musikunterricht muss besser werden: Improvisation

Was aber meine Hauptkritik an jeglicher Art Musikunterricht ist: Der überproportionale Fokus auf Reproduktion! Viele Kinder (oder alle?) singen häufig vor sich hin: sie improvisieren! Mein damals 2-jähriger improvisierender Sohn war der Anlass zu folgendem Gedanken:

In meinen Saxophon-Workshops erlebe ich, dass die meisten Erwachsenen große Schwierigkeiten haben zu improvisieren, oder eine kleine Melodie zu erfinden. Die meisten jüngeren Kinder hingegen singen eigene Liedchen und Melodien, improvisieren also ohne Scheu. Auch abzüglich des Unterschieds, das Kinder dies nicht unbedingt auf Kommando und vor Publikum tun, sind sie Erwachsenen in diesem Punkt tendenziell überlegen. Stellt sich die Frage: Ist es zwingend so, dass man diese Fähigkeit im Laufe des Leben verlieren muss? Oder läuft da was schief? (These: trägt zu dem Verlust der natürlichen Improvisationslust möglicherweise der omnipräsente klassische Musikunterricht mit seiner Fixierung auf das ausschließliche Reproduzieren von notierter Musik bei?) Weiterlesen

Musikunterricht muss besser werden: „Bloß nicht zu intellektuell!“

Bis weit in die Grundschule hinein scheut man sich, musikalisches Tun auch „intellektuell“ zu reflektieren. Zum Beispiel wird konsequent die Fachsprache tunlichst vermieden. Dabei spreche ich nicht von Notenschrift! Denn die sollte, darin sind sich die allermeisten Musikpädagogen einig, erst nach dem Musikmachenlernen behandelt werden.
(Kindern die Notenschrift beizubringen, bevor musikalisches Handeln stattfindet, entspricht der Idee, einem 2-jährigen Kind, welches gerade sprechen lernt, zugleich mit Lesen- und Schreibenlernen konfrontieren zu wollen.)

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Üben im Flow

Folgendes habe in meinen „Entwürfen“ wiederentdeckt und über seine Aktualität (für mich!) gestaunt, deshalb hier mit Verspätung:

Andreas Burzik und sein Konzept vom „Üben im Flow“ dürften schon viele Musikpädagogen kennen, zumindest in Form eines Zeitschriftenartikels o.ä. Ich selbst stolperte  im „Handbuch Üben“ (herausgegeben von Ulrich Mahlert) über seinen Beitrag, der für mich v. a. deshalb hochinteressant war, da ich meinen eigenen Arbeitsstil  in großen Teilen wiedererkannte. Allerdings nicht annähernd in dieser Weiterlesen

Primacanta-Pilotprojekt in Frankfurt

Nach den Sommerferien startet die zweite Staffel von Primacanta – ein Pilotprojekt an Frankfurter Grundschulen, dass dem Musikunterricht eine neue Richtung geben möchte, und bei dem ich als Coach mitwirke.

Als Instrumentallehrerin fällt mir häufig auf, dass vielen Kindern musikalische Grundkompetenzen wie metrisches Gefühl oder Erkennen von Tonhöhen fehlen. Selbst einfache Tonfolgen können oft nicht nachgesungen werden, geschweige denn nachgespielt werden. Als Mutter eines Kindes im Grundschulalter konnte ich aus nächster Nähe beobachten, dass die musikalische Erziehung an den Kindergärten und Grundschulen hier wichtige Grundlagenarbeit vermissen lässt. Die Lehrpläne für den Musikunterricht sind da wenig hilfreich und führen eher zu sog. Insellernen: drei Wochen Noten lernen, drei Wochen Mozarts Lebensdaten, dann ein paar Lieder zum Thema Frühling usw. Da ein roter Faden fehlt, bleibt davon bis zum Ende eines Schuljahres wenig hängen.

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Herzlichen Glückwunsch!

Plug and Play, die von mir mitbetreute Schulband der Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau, hat beim Bandcontest der Bundeswehr auf der Hessentag 2009 in Langenselbold den zweiten Platz belegt. Mit den Nirvana-Hit Smells Like Teen Spirit und AC/DC’s T.N.T. haben die 11 Jungs und Mädels aus den 5.–10. Klassen das „votende“ Hessentags-Publikum für sich gewinnen können, und 1000 € mit nach Hause nehmen dürfen …